Direkt zum Hauptbereich

(7) Vertrau mir

So langsam werden die Stresshormone von einer Endorphinwelle weg gespült - oder was auch immer gerade an biochemischen Vorgängen in meinem Körper läuft. Es fühlt sich jedenfalls gut an!

Heute Morgen war es zwar noch die gleiche Herausforderung wie so oft, zur notwendigen Zeit das erholsame Bett zu verlassen. Nach einem ordentlichen Frühstück mit den Kindern begann dann allerdings ein sehr interessanter Tag.
"Teamtag" war die Überschrift, und das (fast) komplette Mitarbeiterteam der Heilse Chemnitz war unterwegs nach Hainichen, um im Niedrigseilgarten mit Hilfe eines Coaches die neue Leiter-Team-Konstellation zu erproben.
Ich bin solchen Aktionen gegenüber ja immer ein bisschen skeptisch, vor allem, wenn der Veranstalter inflationär den Satz: "Wir wollen heute richtig viel Fun und Spaß haben!" benutzt. Allerdings war diese Teamaktion wirklich perfekt.
Nachdem wir ein paar "Icebreaker" überstanden hatten präsentierte der Anleiter uns den Parcour. Balancieren, ein bisschen klettern und noch mehr balancieren... hm, das mit dem Gleichgewicht halten ist jetzt nicht unbedingt die sportliche Disziplin, in der ich Meister bin. In der irrigen Annahme, dass wir die Strecke jeder für sich, nacheinander, bewältigen sollten, wurde mir ein wenig ungemütlich zumute.
Allerdings würde ein Einzelkämpfervorgehen natürlich nicht zu einem Teamtag passen. Und so erfuhren Matthias und ich auch gleich noch die gute Nachricht: wir beide würden den Parcour mit verbundenen Augen überwinden.
Das geht selbstverständlich nur mit geduldigen, starken ;) und mutigen "Blindenführern".
Was soll ich sagen. Ich hatte eine Menge "Fun und Spaß". Vor allem aber durfte ich eine Erfahrung machen, nach der ich mich schon seit Langem wirklich gesehnt habe: fühlbar zu erleben, dass ich auch als Leiter nicht immer derjenige sein muss, der ganz allein furchtlos voran geht. Mit verbundenen Augen über dünne Drahtseile und schwingende Holzelemente zu kraxeln, unterstützt von erklärenden Worten, helfenden Händen und Halt gebenden Schultern: das hat unglaublich gut getan.
Mein Kopf wusste natürlich längst, dass ich in all den Jahren als Pastorin immer von diesem Miteinander getragen wurde. Manchmal kämpfe ich an vorderster Front, gebe den Ton an und marschiere an der Spitze voran. Aber ich kämpfe nie allein in meiner Arbeit.
DANKE an alle, die in den vergangenen Jahren genau das gemacht haben, was mir mein neues Team heute so greifbar gemacht hat.
Ich hoffe, dass die heutigen Erlebnisse mir helfen, meine Leiterrolle am neuen Ort zwar ernst zu nehmen - aber eben nicht als Last zu empfinden, weil ich weiß: in diesem Team kann ich mich darauf verlassen, dass wir uns gegenseitig dabei unterstützen, alle zusammen unsere Ziele zu erreichen.

Apropos Ziele.
Nach dem "Teamtag" war der Arbeitstag noch nicht zu Ende.
In meinem Postfach war gleich am ersten Bürotag die Einladung zum Stadtgebetstreff angekommen. Nach einer kurzen Teepause zuhause machte ich mich also auf den Weg zur Jugendkirche im Zentrum. Wie überall (bisher ;)) wurde ich dort herzlich begrüßt, und schon war ich mittendrin in einer Gruppe Christen, denen das Gebet für ihre Stadt am Herzen liegt.
Ich liebe es, wenn Christen gemeinsam beten. Diese Gruppe (Miteinander für Chemnitz) bringt Anliegen aus Gesellschaft und Politik vor Gott und glaubt daran, dass Gott Chemnitz nach seinen guten Ideen verändern wird.
Auf dem Heimweg (zu Fuß, weil ich keine Lust hatte, zwölf Minuten auf einen Bus zu warten) fühlte ich mich vollgepumpt mit Kraft und Hoffnung. Habe ich wirklich drei "schwarze Jahre" in dieser Stadt verbracht? Ja, habe ich. Trotzdem ist mein Herz gerade einfach nur voller Liebe für diese Stadt und die Menschen, die hier wohnen.
Gott ist hier. Natürlich! Und wo er ist, da sind Wunder möglich.
Ich schätze, ich bin jetzt bereit :).




Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Fünf-Minuten-Mut

Wann hast du das letzte Mal auf einem Dreimeterbrett gestanden, nach unten ins Wasser geschaut, und dich nicht getraut, abzuspringen?

(20) Das hab ich noch nie gemacht, das schaffe ich ganz sicher!

Es ist Montag! Zeit für einen Rückblick auf die vergangenen sieben Tage. Ehrlich gesagt erscheint mir eine Woche zur Zeit jeweils wie ein Monat, so viel ist hinein gepackt. Für gewisse Anteile dieser Tage finde ich ein Zitat von Pippi Langstrumpf passend: "Das hab ich noch nie gemacht, das schaffe ich ganz sicher!" Ich kann nicht alles davon hier erzählen, da Pastoren eine ganze Menge Arbeit in der Rubrik "Schweigepflicht" erledigen. Übrigens eine Sache, die mir besonders am Herzen liegt. Es ist schön, für Menschen da sein zu dürfen, die sich mit Sorgen und Herausforderungen an uns wenden. In den vergangenen Jahren habe ich dabei gelernt, dass Kriminalromane sich auch im wahren Leben ereignen - zum Glück nicht immer mit tödlichem Ausgang, aber oft nicht minder dramatisch. Nehmen wir also die etwa 40% "Geheimarbeit" weg, dann bleiben immer noch 60% Offiziersalltag, von dem ich berichten kann. Stichworte für diese Woche: 1.) Vom Brötchen zur Suppe. ...

Corona und wir

Was macht eigentlich ein Heilsarmee-Offizier, wenn eine Pandemie ausbricht? Zunächst bemerkt er, dass sein Job nicht "systemrelevant" ist. Nichtsdestotrotz legt er aber nicht die Hände in den Schoß und wartet, dass die Plage vorüberzieht. Schließlich dient er nicht "dem System", sondern Gott und den Menschen - und die bleiben in jeder Krise relevant. Konkret bedeutet Covid19 für unsere Arbeit in Korps Berlin-Südwest: eine der schönsten Veranstaltungen des Jahres, der Ostergarten, musste abgesagt werden. Im ersten Moment sah es so aus, als lägen nun drei plötzlich leer gefegte Wochen vor uns, in denen wir uns Stille und Gebet widmen können (was, wohlbemerkt, ein großer Traum von uns ist, weil es wahrscheinlich sehr viel Gutes bewirken würde). Aber dann zeichneten sich ganz andere Dinge ab. 1.) Homeschooling. Wir haben fünf schulpflichtige Kinder von Klasse 10 bis Klasse 2, dazu noch ein Kitakind. Ich habe viele Jahre immer ein Baby oder Kleinkind bei der Ar...