Direkt zum Hauptbereich

Geflügelte Jahresendfeierfiguren

"Mama, welche Sprache sprechen eigentlich die Engel?", fragte mein Sohn mich, in aller Ernsthaftigkeit, neulich beim Frühstück.
"Natürlich Englisch!", war meine spontane Antwort.

Selbstverständlich habe ich nach der intuitiven Scherzantwort auch eine fundiertere nachgeliefert. Welche Sprache die Engel tatsächlich genau sprechen kann ich jedoch leider nicht sagen. Die Bibel legt im 1. Korintherbrief nahe, dass sie eine eigene Sprache haben. Allerdings finden sich im Alten wie auch im Neuen Testament zahlreiche Ereignisse, in denen Engel mit Menschen in deren Muttersprache sprechen.
Wenn sie also eine eigene Sprache haben, dann sind sie sehr gut darin, Fremdsprachen zu sprechen :).

Weihnachten steht vor der Tür, und Engel rücken wieder einmal in den Blickpunkt.
Über diese Geheimnis umrankten Wesen gibt es unzählige Legenden, Geschichten, Theorien und ganze Engellehren. Sie werden als Schutzengel verehrt, und als Todesengel gefürchtet. Selbst der Teufel ist bekannt als "gefallener Engel": einer, der sich als "Engel des Lichts" verstellt um die Menschen von Gott abzulenken und selbst Macht zu erlangen.

Aber was sagt die Bibel wirklich über diese Wesen?
Spielen sie für unseren Glauben und unseren Alltag eine Rolle?

Die Predigt am 1. Advent drehte sich in unserer Gemeinde um dieses Thema.
In meinem Fenster zuhause stehen zur Weihnachtszeit geschnitzte Engelfiguren. In meiner Heimat, dem Erzgebirge, ist es Tradition, für jedes Kind der Familie symbolisch eine Figur ins Fenster zu stellen: für jede Tochter einen Engel, für jeden Sohn einen Bergmann. Eine schöne Sitte, wie ich finde.
Allerdings haben die Engelfiguren wahrscheinlich wenig mit dem gemein, was Engel - wie die Bibel sie beschreibt - wirklich sind.

Zu allererst haben die biblischen Engel nicht wirklich etwas Mädchenhaftes an sich. Woher wohl die Vorstellung vom goldlockigen, weiblichen Engel kommt? Die Bibel beschreibt Engel nicht zwingend geschlechtsgebunden. Im Gegenteil, einige Aussagen in der Bibel ließen sich darauf deuten, dass Engel über die menschliche Geschlechtsthematik erhoben sind :) - z.B. Mt. 22,30 und Mk. 12,25.
Wenn sie namentlich genannt werden, dann haben sie allerdings männliche Vornamen (Engelfürst Michael, "Erzengel" Gabriel).
Biblische Engel haben auch nichts mit den dickbäuchigen Putten der Renaissance und des Barock zu tun.
Alle Begegnungen von Menschen in der Bibel mit Engeln haben eins gemein: die Menschen sind zutiefst beeindruckt, wenn nicht gar fast zu Tode erschrocken, wenn sie einen Engel sehen.
Daniel wird grün im Gesicht und fällt vor Schreck zu Boden. Und auch den Hirten in der Weihnachtsgeschichte oder der Jungfrau Maria gegenüber beginnt jeder Engel seine Ansprache mit:
"Hab keine Angst!" ("Fürchte dich nicht!")

Engel sind - ganz nüchtern betrachtet - erst einmal nichts anderes als Boten von Gott.
Sicherlich können sie in ganz verschiedener Form auftreten. Auch die Bibel differenziert an dieser Stelle. Manchmal werden Engel nur erwähnt, ihr Aussehen aber nicht beschrieben.
An mancher Stelle ist die Rede von "einem Mann in strahlendem Gewand" (nach der Auferstehung Jesus im Grab), manchmal hören die Menschen nur die Stimme des Engels (Mose am Dornbusch), manchmal sehen nur die Tiere den Engel (Bileam) und teilweise versuchen Menschen, die einen Engel gesehen haben, ihn zu beschreiben: aber die Menschliche Vorstellungskraft ist zu begrenzt, um das Gesehene nachzuvollziehen (Hesekiel, Daniel, Offenbarung des Johannes).
Die Bibel spricht davon, dass Engel im Auftrag Gottes Menschen schützen (z.B. Psalm 91,11). Sie berichtet aber auch davon, wie Engel Menschen den Weg weisen (Auszug aus Ägypten; Philippus; Bileam), wie sie Strafen Gottes ausführen (daher der "Todesengel", z.B. bei der Ausführung der 10. Plage in Ägypten, aber auch unter König David und im Zuge der Offenbarung am Ende der Zeit). Selbst in handfesten Kriege greifen Engel Gottes im Alten Testament ein (z.B. im Kampf gegen die Assyrer).
Außerdem geben Engel häufig Botschaften von Gott an Menschen weiter: seien es beeindruckende Visionen der Zukunft (Daniel, Hesekiel, Johannes...) oder die Ankündigung einer besonderen Schwangerschaft (u.A. die Bekannteste: Maria).

Eins haben sämtliche Engel Gottes gemeinsam: sie bestehen darauf, NICHT verehrt oder angebetet zu werden.
Der einzige Engel, der verehrt werden möchte, ist "Luzifer", auch bekannt als "Satan". Er versucht sogar, Jesus dazu zu bringen, ihn anzubeten (Lukas 4,1-13).
Der Schutzengelkult ist also alles andere als biblisch. Engel in der Bibel betonen im Gespräch mit Menschen immer, dass sie ausschließlich im Auftrag Gottes handeln. Sie erinnern daran (z.B. in Richter 13), dass sie nicht verehrt oder bei ihrem Namen genannt werden wollen. Gott soll gedankt werden, und Gott soll um Hilfe gebeten werden. Die Engel sind nur seine Boten und führen nur aus, wozu Gott sie beauftragt.

Engel. Sie existieren in diesem Teil unserer Welt, der die meiste Zeit für uns nicht sichtbar ist. Nur ab und zu lassen sie sich sehen - von Menschen, für die es zu diesem Zeitpunkt wichtig ist. Ich glaube, dass es um uns herum viel mehr gibt, als wir bisher sehen, fühlen und nachweisen können. Aber manchmal bekommen wir eine Vorahnung davon, was an Größerem möglich ist.

Ich finde es beeindruckend, was die Bibel über Engel andeutet.
Da gibt es mächtige Wesen, die in Gottes Auftrag in unser Leben eingreifen. Oft unbemerkt, manchmal deutlich spürbar.
Sie sind weit mehr als nur niedliche Personen mit Flügel. Mehr als starke Männer mit ernsten Gesichtern.
Sie wollen nicht verehrt, kontaktiert oder gefürchtet werden. Sie wollen einfach, ungesehen von uns, Gottes Aufträge ausführen.

Wenn ihr in den weihnachtlichen Schaufenstern einen Engel findet, dann freut euch! Für mich sind solche Engelfiguren eine frohe Erinnerung daran, dass Gott ein aktives Interesse an uns Menschen hat.
In der ursprünglichen Weihnachtsgeschichte haben die Engel eine Menge froher Nachrichten verkündet.

Ich glaube: Gott bringt Licht in unsere Dunkelheit - auch 2019 noch.
Engel helfen, Menschen darauf aufmerksam zu machen. Aber ihr wisst seit Jahren, wo Gott zu Weihnachten zu finden ist, oder?
Genau. Im Stall von Bethlehem, als kleines Kind.
Eine geheimnisvolle Geschichte, die euer Herz auch in diesem Jahr wieder neu berühren kann, wenn ihr es möchtet.







Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Fünf-Minuten-Mut

Wann hast du das letzte Mal auf einem Dreimeterbrett gestanden, nach unten ins Wasser geschaut, und dich nicht getraut, abzuspringen?

(20) Das hab ich noch nie gemacht, das schaffe ich ganz sicher!

Es ist Montag! Zeit für einen Rückblick auf die vergangenen sieben Tage. Ehrlich gesagt erscheint mir eine Woche zur Zeit jeweils wie ein Monat, so viel ist hinein gepackt. Für gewisse Anteile dieser Tage finde ich ein Zitat von Pippi Langstrumpf passend: "Das hab ich noch nie gemacht, das schaffe ich ganz sicher!" Ich kann nicht alles davon hier erzählen, da Pastoren eine ganze Menge Arbeit in der Rubrik "Schweigepflicht" erledigen. Übrigens eine Sache, die mir besonders am Herzen liegt. Es ist schön, für Menschen da sein zu dürfen, die sich mit Sorgen und Herausforderungen an uns wenden. In den vergangenen Jahren habe ich dabei gelernt, dass Kriminalromane sich auch im wahren Leben ereignen - zum Glück nicht immer mit tödlichem Ausgang, aber oft nicht minder dramatisch. Nehmen wir also die etwa 40% "Geheimarbeit" weg, dann bleiben immer noch 60% Offiziersalltag, von dem ich berichten kann. Stichworte für diese Woche: 1.) Vom Brötchen zur Suppe. ...

Corona und wir

Was macht eigentlich ein Heilsarmee-Offizier, wenn eine Pandemie ausbricht? Zunächst bemerkt er, dass sein Job nicht "systemrelevant" ist. Nichtsdestotrotz legt er aber nicht die Hände in den Schoß und wartet, dass die Plage vorüberzieht. Schließlich dient er nicht "dem System", sondern Gott und den Menschen - und die bleiben in jeder Krise relevant. Konkret bedeutet Covid19 für unsere Arbeit in Korps Berlin-Südwest: eine der schönsten Veranstaltungen des Jahres, der Ostergarten, musste abgesagt werden. Im ersten Moment sah es so aus, als lägen nun drei plötzlich leer gefegte Wochen vor uns, in denen wir uns Stille und Gebet widmen können (was, wohlbemerkt, ein großer Traum von uns ist, weil es wahrscheinlich sehr viel Gutes bewirken würde). Aber dann zeichneten sich ganz andere Dinge ab. 1.) Homeschooling. Wir haben fünf schulpflichtige Kinder von Klasse 10 bis Klasse 2, dazu noch ein Kitakind. Ich habe viele Jahre immer ein Baby oder Kleinkind bei der Ar...