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Brovember

Es ist November!
Der trübste Monat des Jahres. Draußen ist alles nass und kalt und grau.
Zum Glück gibt es ja Freunde, die einem das Leben bunt machen.
Genau darum geht es bei uns in diesem Monat: "Brovember" - das heißt: wir schauen mal, welche "Bros" sich in der Bibel finden, und was sie uns zu sagen haben.



Echte Freunde sind rar gesät - wenn man die auf Facebook nicht mitzählt :).
Viele Freundschaften verblassen über die Jahre, wenn sich Lebensumstände ändern oder die Wohnorte weit auseinander liegen. Manche Freundschaften fallen Verletzungen und Enttäuschungen zum Opfer.Und ab und zu bemerkt man, dass ein vermeintlicher Freund abspringt, weil die Verbindung ihm selbst nicht mehr nützt.

So richtige "Bros" aber sind unzertrennlich. Den einen kann man sich ohne den anderen gar nicht vorstellen. Gemeinsam laufen sie zu Höchstform auf.
Diese eine beste Freundin, mit der man nur einen Blick wechseln muss, und schon reift eine geniale, witzige, befreiend verrückte Idee...! Oder dieser Mensch, dessen Herz einfach im Gleichklang mit meinem schlägt, obwohl wir gar nicht viel Alltag teilen. Es gibt diese Freundschaften, die beständig sind, obwohl man sich selten sieht.

Die Bibel liefert hier ein Paradebeispiel: David und Jonathan. Die spannende Geschichte dieser beiden kann man in 1. Samuel ab Kapitel 16 nachlesen.
Den Königssohn Jonathan und seinen eigentlich größten Konkurrenten - den von dem Propheten Samuel zum neuen König gesalbten David - verbindet eine ganz enge Freundschaft. Sie lernen sich am Königshof Sauls kennen. Es beginnt eine Freundschaft, die so eng ist, dass die Bibel von Liebe spricht.

Oh, Liebe. Ein extrem strapaziertes Wort in unserer heutigen Zeit. Da denkt man gleich an sexuelle Leidenschaft, die einen überkommt und dann wieder verfliegt, wenn "die Liebe" eben vorüber ist.
Dabei sind Liebe und Freundschaft so eng verwandte Seelen. Die Liebe seines Freundes Jonathan war für David wertvoller als die Liebe einer Frau - was heutige Bibelausleger dazu führt zu folgern, dass die beiden eine homosexuelle Beziehung verband.
Schade, dass wir in der deutschen Sprache so wenige Worte für dieses vielfältige Gefühl der Liebe haben - und, dass Freundschaft und Bruderliebe weniger stark erscheinen als die Liebe zwischen zwei Menschen, die einander sexuell anziehend finden.

Dabei ist der Kern von Liebe und wahrer Freundschaft gleich: Man fühlt sich mit einer Person zutiefst verbunden. Man vertraut einander, weiß dass man bei ihm sein wahres Ich zeigen darf und sich nicht verstellen muss. Man öffnet Herz und Seele füreinander und vertraut darauf, dass der Andere dies nicht missbraucht.

David und Jonathan besiegelten ihre Freundschaft mit einem Bund. Sie versprachen sich gegenseitig, einander treu zu sein, und zwar bis zum Tod.
Das klingt nicht nach "Bro", sondern nach "Ehe", oder?
Solche verbindlichen Beziehungen werden uns langsam fremd. Wir sind misstrauisch geworden: zu viele Personen treten in unser Leben und verlassen es wieder. Zu oft haben wir uns jemandem geöffnet und wurden von ihm enttäuscht. Außerdem ist das Leben so schnell geworden, dass keiner weiß, was übermorgen sein wird.
Verpflichtungen einzugehen ist deshalb schwer. Woher weiß ich, ob meine Gefühle für den Freund in einem Jahr noch die gleichen sein werden?

Unsere biblischen "Bros" versprachen sich, füreinander einzustehen, egal was kommt.
Und es kam viel. Jonathans Vater - der amtierende König, Saul - wollte David umbringen, weil er dachte, dieser könne an seinem Thron rütteln. Jonathan warnte David, und David floh. Die beiden Freunde sahen sich nur einmal wieder. Dann starb Jonathan in einer Schlacht. Am Ende blieb von ihrer Freundschaft nur noch die Erinnerung in Davids Herzen. Aber diese bewirkte immer noch etwas. Denn Jonathan hinterließ einen Sohn, gelähmt, aber doch theoretisch eine Gefahr für den Thron.
Üblich wäre es gewesen, diesen aus dem Weg zu schaffen. Aber David hielt sich über den Tod hinaus an seinen Treueschwur und nahm den Jungen als Mitglied der Königsfamilie auf.

Wahre Freundschaft ist tief. Sie ist verlässlich und verbindlich. Sie bleibt und wächst, weil man es ehrlich meint. Ein Freund zu sein heißt, dass ich meine Seele dem anderen öffne. Echte Freunde sind deshalb wertvoll und rar. Wer einen gefunden hat, der lässt ihn nicht mehr los. Mit einem wahren Freund bin ich bereit, einen Bund zu schließen - es tut gut, einigen auserwählten Menschen in meinem Leben gegenüber wirklich verbindlich zu sein.

Gibt es vielleicht auch ein Geheimrezept, wie man einen solchen Freund findet?
Ein solches kenne ich leider nicht, dafür aber einen klugen Spruch:
"Wenn du einen guten Freund finden willst, sei selbst einer."

PS: Für alle Fans historisch-wissenschaftlicher Details: Die Geschichte von David und Jonathan spielt in unserer Zeitrechnung  Anfang 1000 v.Chr. Diese Zeit gilt als der Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit. Goliath, der bekannte "Riese", gegen den David kämpfte, trug eine Rüstung aus Bronze und einen Speer aus Eisen.



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