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Der rote Faden

Sonntags dreht sich zwischen 10.30 und 12.00 Uhr in unserer Gemeinde alles um ein Buch: selbstverständlich um die Bibel.
Oder besser: alles dreht sich um den geistigen Urheber der Bibel - um Gott.

Die Bibel ist zwar der Bestseller schlechthin, aber sie ist auch ein heiß umstrittenes Buch. Ist sie in jedem Fall wortwörtlich zu nehmen, oder sollte man den Inhalt textkritisch betrachten?
Wer hat welchen Teil der Bibel geschrieben, und wurde dieser Person der Text von Gott persönlich diktiert? Werden uns von "der Kirche" wichtige Texte unterschlagen, die den christlichen Glauben vollkommen auf den Kopf stellen würden?
Warum finden sich in der Bibel so viele Widersprüche und Paradoxien?
Muss man heutzutage alles so machen, wie es in der Bibel steht - und was steht eigentlich tatsächlich drin?

Ich setze mich nicht nur sonntags mit der Bibel, diesem Buch, das als schriftliche Grundlage des christlichen Glaubens dient, auseinander. Und das nicht nur dienstlich (schließlich bin ich Pastorin), sondern zu einem großen Teil auch privat.
Das tue ich zum einen, weil ich den Gott, an den ich glaube, durch sein Wort (die Bibel) immer näher kennenlernen kann. Die 66 Schriften verschiedener Autoren, die in der Bibel zusammengefasst wurden, sind höchst interessant. Es finden sich geschichtliche Abschnitte, die einen Einblick in vergangene Zeiten und Kulturen gewähren. Weisheitsliteratur mit Tipps und Ratschlägen, die mal mehr, mal weniger auf unser heutiges Leben passen. Gedichte, die Glaube, Vertrauen und Zweifel in anrührende Worte fassen. Liebesgeständnisse, Geschichten mit Krimi-Potential, Briefe, Visionen, Biografien und Lebensregeln, die zum Nachdenken anregen.

Die Bibel ist ein Buch, das über mehrere Jahrhunderte hinweg entstanden ist - eigentlich ein Sammelsurium verschiedenster Schriften von ganz unterschiedlichen Autoren, das im 3. Jahrhundert zu dem Buch zusammengefasst wurde, das wir heute als die Bibel kennen. Seitdem wurde dieser sog. "Kanon" aus Altem und Neuem Testament (wie man die beiden großen Teile der Bibel nennt) immer mal wieder überarbeitet und vielfältig übersetzt. Ich liebe es, unterschiedliche deutsche Übersetzungen zu lesen. Es begeistert mich, wie jeder Übersetzer andere Schwerpunkte setzt, die der sprachliche Rahmen erlaubt.

Aber warum lese ich eigentlich dieses Buch - und warum hören sich tausende von Menschen immer wieder Predigten über diese alten Texte an?

Ich fühle mich als ein Teil dieser großen Geschichte, die in Gottes Wort beschrieben wird.
Sie beginnt mit der Nacherzählung des Geschehens um die Schöpfung und endet mit der Aussicht darauf, dass Jesus Christus noch einmal auf diese Erde kommen wird, wenn Gott diese komplett neu macht.

Weil kein Mensch sicher sagen kann, wie alles begann und wohin wir uns bewegen, ob da jemand ist, der unser Leben im Blick hat oder nicht: deshalb liebe ich die Gedanken und Erfahrungen, die Menschen im Laufe der Geschichte mit dem Gott gemacht haben, an den sie glaubten.
Auch ich selber habe schon so viel mit Gott erlebt, dass es mir unlogischer erscheint, an Zufälle zu glauben, als an Gott.

Und nebenbei spielt das Gefühl eine Rolle.
Da ist Liebe. Schon als kleines Kind hatte ich in meinem Herzen immer das Gefühl, dass es da jemanden gibt, der mich liebt. Die "Macht im Universum" berührte mich von klein auf. Als ich anfing die Bibel zu lesen bekam sie für mich immer mehr Gesicht und Wesen. In Jesus Christus begegnet mir Gott sogar auf Augenhöhe, als Freund und Lebensretter.

Der rote Faden, der sich durch die ganze Bibel zieht, ist Gottes Liebe.
Es geht in diesem Buch die ganze Zeit darum, dass Gott den Menschen gemacht hat, ihm einen freien Willen gegeben hat, und sich von da an um sein Herz bemüht.
Er will, dass es uns Menschen gut geht, dass wir mit der Natur und einander in Einklang und Frieden leben. Dazu hat er hilfreiche Regeln erstellt (und uns die Freiheit gegeben, uns danach zu richten oder es zu lassen). Und durchweg versucht er uns Menschen mit seiner Liebe zu erreichen.

Du und ich, wir haben die Freiheit, uns nach dieser Liebe auszustrecken, oder sie abzuschlagen.
Wir können Gottes Angebot, ihn kennenzulernen, annehmen, oder ablehnen.

Ob in einer Gemeinde oder allein im stillen Kämmerchen, am Sonntag oder am Montag: ich kann dir nur empfehlen, die Bibel mal wieder zur Hand zu nehmen und diesen roten Faden zu finden (das geht übrigens auch an jedem anderen Wochentag ;)).

Viel Spaß!

Der rote Faden im Buch des Propheten Esra (Buch aus dem AT) war Thema der heutigen Predigt.







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